"Demokratischer Aufbruch nach 1945 in Coburg und die Macht des Gewohnten.

Hintergründe und Zeitzeugenberichte."

 

Am 14.11.2017 fand ein Informations- und Gesprächsabend gemeinsam mit der ökumenischen Studierendengemeinde Coburg zum Thema "Demokratischer Aufbruch nach 1945 in Coburg und die Macht des Gewohnten. Hintergründe und Zeitzeugenberichte." statt. Der Vorsitzende der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V., Rupert Appeltshauser, und Pfarrer Peter Meyer von der ökumenischen Studierendengemeinde eröffneten den Abend gemeinsam. Die Veranstaltung war als offener Gesprächsabend geplant, der sowohl informieren als auch zur Diskussion anregen sollte. Der Einladung folgten an die 50 Besucher – Schüler, Studierende, Mitglieder - und so wurde auch das Ziel, eine Generationen-übergreifende Veranstaltung zu organisieren, erreicht, wobei aber, wie Rupert Appeltshauser bemerkte, überwiegend Jugendliche und wenige „Zeitzeugen“ gekommen waren..

 

Appeltshauser skizzierte zunächst den Rahmen: „Was war 45, was waren die Schwerpunkte?“ und gab einen historischen Überblick über die Ereignisse in Coburg zu dieser Zeit.: „Am 10./11.April kamen die Amerikaner und was passierte, das war anekdotenhaft, hatte fast operettenhafte Züge, verlief aber andererseits auch friedlich!“ - so sein Kommentar. Coburg war in den letzten Kriegstagen mit 490 zerstörten Wohnungen und 43 Todesopfern aber doch noch getroffen.

 

Der demokratische Aufbruch, der anschließend folgte, war primär von der amerikanischen Besatzung geprägt, die hierher mit missionarischem „demokratischen“ Eifer kamen.. Zentrale Grundlagen bildeten hier die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz, wie die Entnazifizierung, die Selbstverwaltung der Kommunen, die Bildung von demokratischen Parteien sowie die ersten Wahlen. Parallel prägten den demokratischen Aufbruch ein Optimismus auf der einen und die Macht des Gewohnten auf der anderen Seite.

 

Die Diskussion leitete Herr Appeltshauser mit persönlichen Erinnerungen an diese Zeit ein. Er erinnerte sich an den „Krieg am Küchentisch“, an Konflikte innerhalb der Kirche, aber auch zwischen Ost und West.

 

Ein weiterer Zeitzeuge, Dr. Jörg Bilke, schilderte zu Beginn der Gesprächsrunde seine Erinnerungen an den Einmarsch der Amerikaner. Bilke erlebte den Einmarsch in Bad Rodach, war damals acht Jahre alt und erlebte die „längsten Ferien seines Lebens“ - bis Ende November! Er erzählte von verschiedenen Bildern: So waren Panzersperren errichtet worden, da Nazis noch an den Endsieg glaubten. Die Amerikaner beschlagnahmten Häuser und es wohnten Flüchtlinge mit Alteingesessenen zusammen. Außerdem machten die Amerikaner viele Geschenke und waren sehr freundlich, so erinnert sich Bilke.

 

Appeltshauser schloss diese Erinnerungen mit der Betonung der Bedeutung solcher Anekdoten. In einer anschließenden Diskussion wurden verschiedene Fragen thematisiert, wie beispielsweise die verschiedenen Bezeichnungen für das Kriegsendes, wie Befreiung, Kapitulation, Niederlage oder Zusammenbruch.

 

Weiter wurde der Bundesgrenzschutz, die Rolle des Coburger Conventes, die Auswirkungen der 68er Bewegung in Coburg behandelt sowie die Herkunft des Faschingsbeginns am 11.11 debattiert. Zum Abschluss dieser Einheit wurde die Geschichte des Coburger Stadtwappens und die Umbenennung von Straßennamen erörtert.

 

Der Aufbruch und die Macht des Gewohnten bildeten den Schwerpunkt der weiteren Diskussion. So wurde die Frage besprochen, wann in Coburg mit der Aufarbeitung begonnen wurde und ob es eine Differenzierung zwischen der privaten und der öffentlichen Aufarbeitung gab. Auch über die politischen Ausrichtungen der Tageszeitungen wurde diskutiert. Im Zuge der Erinnerungskultur und des Austausches wurde hervorgehoben, dass es in Coburg eine Fülle an Stolpersteinen gibt und einen regen interreligiösen Austausch.

 

Anschließend berichtete Dr. Jörg Bilke von seiner Verhaftung bzw. seiner Haft in der DDR. Zum Abschluss der Veranstaltung bedauerte Appeltshauser, dass so viele Themen nicht behandelt werden konnten, sie hätten wohl eher einen eigenen Abend verdient. Und Pfarrer Peter Meyer schloss mit einem Dank für das Interesse: „Hoffentlich können wir aus der Vergangenheit lernen und Kräfte stärken!