Zur Geschichte des Stadtmuseums / Heimatmuseums Coburg

Das Stadtmuseum hat im Laufe der Jahre ein viele Höhen und Tiefen durchlebt, viele Namen und Museumsräume bekommen, Unterstützung und Ablehnung erfahren. Hier stellen wir kurz wichtige Stationen dar.  

 

 Teil I: Das ursprüngliche „städtische Museum“ (ab 1905 im Rathaussaal)

 

In seiner Ausgabe vom 11. November 1905 berichtete das Coburger Tageblatt von der feierlichen Eröffnung des Coburger Stadtmuseums:

 

 
''In Gegenwart des Herzogs Carl Eduard und der Herzogin Viktoria Adelheid fand heute vormittag [10.Nov. 1905] die Einweihung des für ein städtisches Museum neu hergerichteten Rathaussaales statt.“
 
Auch der Stadtführer "Coburg und Umgebung'' (1912) ging auf das neue Museum ein und liefert eine wohl authentische Einführung: "Im zweiten Stockwerk des Rathauses befindet sich der zum städtischen Museum umgeschaffene große Saal aus dem Ende des 16. Jahrhunderts... Wir erkennen die ganz wunderschön durchgeführte Holzarchitektur an der Decke, verbunden mit zeitgenössischer Ausmalung der Wände mit Wappenbildern z. B. von Thüringen und Sachsen.''
 
Als Exponate werden u. a. aufgelistet: " 1. Die Dr. Schlick'sche Stiftung. 2. ..., zwei Bände Zeichnungen von Lindner..., Ansichten von Coburg als Kupferstiche, Stahlstiche, Lithographien. 3. Werke der Bildhauerkunst von Coburger Künstlern, u. a. von Prof. Sommer, von Prof. Lepcke... 4. Die Stiftung des "Sprechsaal''- Coburg, etwa 150 Nummern, Erzeugnisse deutscher und ausländischer, besonders aber Thüringer Porzellanfabriken, viele feinkeramische Gegenstände. 5. Alte Innungsladen mit Innungsschriftstücken.
 
Das Museum war in dieser Anfangsphase lediglich am Sonntag nachmittags von 2 bis 4 Uhr geöffnet; der Schlüssel musste beim Hausmeister geholt werden, und als Unkostenbeitrag wurde eine Gebühr von 20 Pfennig erhoben.
 
  

Teil II: Plan für Herrngasse 17

Die Fülle der eingegangenen Objekte hatte schnell dazu geführt, dass schon wenige Jahre später die Stadt das Haus Herrngasse 17 als Museumsgebäude „aus Mitteln der Niederfüllbacher Stiftung“ kaufte. Nach der Inflation 1923 war die Finanzierung des Museums schwierig geworden und wurde 1929 auf Eis gelegt.

 

 

 
Teil III: Städtisches Heimatmuseum der Nationalsozialisten im Rathaussaal 1931 bis 1943
 
Der NS-Oberbürgermeister Schwede betrieb eine Neukonzeption, die mit der Eröffnung am 22. Mai an alter Stätte im Rathaus abgeschlossen wurde. Während der NS-Zeit wurden auch Objekte übernommen, die die Bedeutung Coburgs als NS-Hochburg unterstreichen sollten. Schließlich ist auch zu vermerken, dass ab März 1942 diverse Kunstgegenstände in den Bestand des Heimatmuseums eingegliedert wurden.
 
Ab 1939 wurden Pläne für die „Schaffung würdigerer Räume“ als „vordringlichste kulturelle Verpflichtung“ wieder vorangetrieben. Auch die Herrngasse 17 wurde wieder favorisiert, aber das Vorhaben konnte nicht aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt werden, ebenso nach Kriegsende, sodass das Haus schließlich wegen des Verfalls der Bausubstanz bis auf die Fassade in den 60er Jahren abgebrochen wurde.
 

 

Teil IV: Sicherungsdeponierung im 2. Weltkrieg 

Ab 1942 wurden erste Deponierungen im Bunker der Sparkasse notwendig, 1943 wurde schließlich der größte Teil des Heimatmuseums in Sicherheitsräume in Schloss Rosenau und in Kloster Banz gebracht.
 
 

Teil V: Nach dem Ende des Heimatmuseums

Das Ende des 2. Weltkriegs brachte das Ende des Heimatmuseums. Die nicht nach München in den "Central Collecting Point" gebrachten Objekte wurden im Zeitraum von 1948 bis 1950 auf dem Dachboden der Rückertschule eingelagert. Im Dezember 1952 konnte der nach München transportierte Museumsbestand weitestgehend zurückgeholt werden und dieser wurde dann im Keller der Jean-Paul-Schule deponiert. Zwischen 1966 und 1975 fanden sechs umfangreiche Transporte von Museumsobjekten in die Depots der Kunstsammlungen statt. Dr. Joachim Kruse als Direktor der Kunstsammlungen initiierte 1985 die Auslagerung des städtischen Museumsbestands wegen des knapper werdenden Depotraums auf der Veste, sodass die Objekte im COFKO-Gebäude in der Herrngasse eingelagert wurden. 1990/91 wurden die Häuser Steingasse 5 und 7 zur  gemeinsamen Nutzung als  Stadtarchiv und -museum gekauft. Nach dem Bezug des neuen Domizils des Stadtarchivs trennte man aber das Projekt Stadtmuseum ab und verkaufte schließlich das Haus Steingasse 7, sodass es bis heute keinen Ausstellungsort für die Museumsobjekte gibt, diese aber im mittlerweile bezogenen Depot in der Uferstraße gut verwahrt werden.

 

 

  

 

Herrngasse 4: hier befand sich der größte Teil des Museumsbestandes vor dem Bezug des Depots in der Uferstraße

 

 

Steingasse 7: Diese für ein Stadtmuseum angekaufte Haus wurde wieder verkauft und wird mittlerweile renoviert 

W. Koch


Vergleichen Sie die fundierte Darstellung in unserer Publikation

Hubertus Habel: STADT MACHT GESCHICHTE: 100 Jahre Städtisches Museum in Coburg, 58 S., zahlr. Abb., Coburg 2005, ISBN 3-9808006-5-2, 14,- €