1.  

 C. Sauerbrey: Herrngasse 17, Treppenturm im Hinterhof

 

 

 

 

 

 

Dieses Aquarell von Carl Sauerbrey entstand vermutlich vor 1947 und ist Teil der Städtischen Sammlungen Coburg (SSC). Es zeigt den Innenhof des Hauses Herrngasse 17, mit Blick auf das Vorderhaus, das damals ein Wohn- und Geschäftshaus war; heute ist in diesem komplett entkernten Gebäude die Stadtbücherei Coburg untergebracht. Ebenfalls in den SSC befindet sich das Pendant zu diesem Bild des gleichen Malers, das den Hinterhof aus der entgegengesetzten Blickrichtung zeigt. Carl Anton Sauerbrey (1877-1967), der sich auch Karl schrieb, war Theatermaler in Coburg. Gebürtig aus Großwalbur, lebte er von 1908 bis zu seinem Tode 1967 in Coburg im Steinweglein.

  

Der titelgebende Treppenturm - in den unteren Teilen aus Stein errichtet und gekrönt von einer achteckigen Holzkonstruktion - ist aus der Bauzeit des Gebäudes erhalten geblieben und wurde, als das Aquarell entstand, noch benutzt. Erbaut wurde das Gebäude vermutlich 1591 vom Steinmetz Michael Frey – so meinen jedenfalls Peter Morsbach und Otto Titz1. Die Wappen oberhalb des Portals weisen nach Hubert Fromm2 auf den Bauherrn Thomas Moll, einen Landeshauptmann aus Römhild, und dessen Gemahlin hin. Noch 1906 beschreiben Paul Lehfeldt und Georg Voss das Haus als „das am besten erhaltene Privatgebäude unter den Renaissance-Häusern Coburgs“3. Doch spätestens nach dem Ersten Weltkrieg gibt es Klagen über den schlechten baulichen Zustand; die Stadt erwirbt das Gebäude mit Hilfe der Niederfüllbacher Stiftung und plant einen Umbau, in dem sowohl das Heimatmuseum wie auch der Kunstverein untergebracht werden sollte. Wirtschaftskrise und Inflation machten diese Pläne zunichte; 1930 wurden die baufälligen Gebäude im Hof abgerissen. Auch während der NS-Herrschaft gab es keine Verbesserungen – nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wohnungen als Notwohnungen genutzt. Der Zustand des Hauses wurde zum öffentlich diskutierten Thema – ab 1959 konnte es wegen akuter Baufälligkeit nicht mehr bewohnt werden. Der Stadtrat diskutierte schon 1958 darüber, und doch dauerte es bis 1965, bis die Bauarbeiten beginnen konnten. Entstehen sollte weder ein Heimatmuseum, noch das „Gästehaus“, das sich Oberbürgermeister Walter Langer gewünscht hatte, stattdessen erhielt die Stadtbücherei, die bis dahin in einem Rückgebäude des Palais Edinburgh untergebracht war, endlich ein angemessenes Domizil für ihre geplanten 40.000 Bücher. Vom alten Gebäude blieb nur die schöne Renaissance-Fassade übrig - dahinter entstand ein für die damaligen Verhältnisse großzügiger funktionaler Bau, in dem auch noch die verbliebenen Bestände der „Amerika-Bibliothek“ aus dem „Amerikahaus Coburg“, das ebenfalls im Palais Edinburgh untergebracht war, Platz fanden. Vor 50 Jahren, am 6. Juli 1967, fand nach zweijähriger Bauzeit die feierliche Eröffnung statt.

 

 Brigitte Maisch

 

 


 

Infoteil:

 

Carl Sauerbrey: Herrngasse 17, Treppenturm im Hinterhof

 

Städtische Sammlungen Coburg; Signatur: SMC 2215

 

Bildgröße: 23x31 cm, hinter Glas gerahmt; vor 1947.

 


 

 

Das Aquarell und sein Gegenstück werden im Juli in der Stadtbücherei und im August im Puppenmuseum ausgestellt.

 

Belege für die Veröffentlichung finden Sie auf den folgenden Seiten!


Anmerkungen;

1) Stadt Coburg (Hrsg.): Denkmäler in Bayern: Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Denkmäler, München 2006, S. 115

 

2) Stadtbücherei Coburg (Hrsg.): Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum der Stadtbücherei in der Herrngasse, Coburg1992, S. 11; vgl. auch Ernst Cyriaci, Häusergeschichte der Stadt Coburg bis 1937. Coburg 1945 – 1948, S. 168 f.

 

3) Lehfeldt, Paul; Voss, Georg: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens von Lehfeldt/ Voss: Coburg: Stadt und Veste, Stuttgart 1906, S. 334