Ein Gang durch die Ausstellung: 

Die Texte mit den Erklärungen der Künstlerinnen

 


 

Für den Nachweis der Bilder bitte  auf die Liste klicken:  Liste Download 

Verena

 

Das Bild, welches als Inspirationsquelle für mein Werk diente, ist mir sofort aufgefallen, als wir das Depot der Städtischen Sammlungen Coburg zum ersten Mal besucht haben. Es stach heraus, da es in einem außergewöhnlichen Stil gemalt worden ist.

 

 

Ich finde die auf dem Bild dargestellte Fantasiepflanze sehr interessant, vor allem die Struktur der Blätter, die aus feinen Verzweigungen besteht, die man auch in der Natur wiederfindet. Deshalb habe ich mich entschieden, ein solches Blatt nachzubauen. Mir wurde schnell klar, dass es mir mehr um die Struktur, als um das Blatt an sich ging. Deshalb gestaltete ich ein detailliertes Grundgerüst. Die Wirkung überzeugte mich. Das Blatt sieht filigran und edel aus. Mit einem beleuchteten Sockel kann das Blatt zudem einen interessanten Schatten an die Wand werfen, was dem Ganzen noch einen stärkeren Ausdruck verleiht.

 

 

 

 

 


 

 

Tamara

 

 

 

Als Inspiration für meine Bilder habe ich ein Gemälde aus den Städtischen Sammlungen Coburg ausgewählt, welches eine Pflanze zeigt. Es scheint, als würde schwarze Farbe über dieses Gemälde fließen.

 

 

Dieses formale Gestaltungsmittel hat mich fasziniert. Deshalb habe ich in meinen Neuinterpretationen versucht, durch das Pusten in einen Strohhalm die Acrylfarbe über verschiedene Motive zu verteilen. Als Ausgangswerke dienen mir selbst gezeichnete Bilder des menschlichen Skeletts in der Größe meines eigenen Körpers. Diese Arbeit thematisiert gleichzeitig Tod und Zufall. Man kann jederzeit von einen Tag auf den anderen sterben. Das Leben ist endlich und man kann den Tod nicht verhindern.

 

 

 

 


 

 

Philo

 

Die Frauen auf dem Gemälde „Frühlingsreigen“ aus den Städtischen Sammlungen Coburg springen voller Freude und Leichtigkeit zur Musik im Kreis, sie tanzen und lachen.

 

 b)

Die Stimmung hat etwas Verträumtes und Ausgelassenes. An was denken Sie, wenn Sie lachende und tanzende Menschen sehen?

 

Ich denke an Lebensfreude, Leichtigkeit und Unbeschwertheit und eben diese Aspekte kommen meiner Meinung nach im Gemälde zum Ausdruck. Diese Leichtigkeit hat mich zum Nachdenken gebracht.

 

Sind wir heute auch noch so erfüllt von Leichtigkeit und Lebensfreude?

 

Oder sind wir viel gestresster und haben viel zu wenig Zeit, sind immer nur auf dem Sprung?

 

Haben wir noch Raum für Träume oder dafür, mal nur das zu tun, was wir wollen, und nicht das, was wir sollen?

 

 

 

 

 

 

 


  

Emma

 

Die Fotografie aus den Städtischen Sammlungen Coburg zeigt das ausdrucksstarke Porträt einer alten Frau mit Kopftuch aus der Sammlung “Das Fränkische Antlitz“ von Erna Lendvai-Dircksen“ . In meiner eigenen künstlerischen Arbeit nehme ich Bezug auf dieses Motiv, allerdings stark vereinfacht und reduziert auf die prägnantesten und markantesten Merkmale dieses einzigartigen Gesichts.

 

 f)

Die Serie, bestehend aus 49 Einzelbildern im Format DIN A 4, zeigt Variationen dieses Porträts, ausgeführt in unterschiedlichsten Techniken. Diese reichen von der Malerei über die Collage bis hin zum Materialbild.

 

Die Darstellungen sollen zeigen, wie vielseitig ein einziges Motiv sein und aus welchen unterschiedlichen Blickwinkeln man es betrachten kann. Auch die Vielseitigkeit der Kunst an sich soll hier angesprochen werden, denn man sieht an den „Omis“, dass sich diese nicht ausschließlich auf Malerei und gängige Materialien beschränkt. Kunst kann vielmehr aus allem entstehen, was man in seiner Umwelt vorfindet, wobei auch die Natur eine große Rolle spielt. So muss man zum Beispiel nicht immer normale Farbe für ein Bild benutzen, sondern kann auch Materialien wie Muscheln oder Stoff verwenden. Auch der Grund, auf dem ein Bild entsteht, ist variabel, wie man an der „Ei-Omi“ oder der „Sand-Omi“ sehen kann.

 

Der Name meines Werkes wirkt eher unbeschwert und weniger ernst, vielleicht sogar etwas respektlos gegenüber der alten Frau, die so würdevoll in die Kamera blickt. Letztlich ist der Titel aber bezeichnend für die gesamte Arbeit, da sie aus wild zusammengeworfenen Materialien, Farben und Ideen besteht. Es erinnert auch an Patchwork, das oft chaotisch, aber dennoch oder gerade deswegen liebenswürdig erscheint. Hier wird auch der Kontrast zwischen dem Original-Porträt und der Variation deutlich.

 

 

 

 

 


 

 

Klara Katharina Leonie

 

 

 

In unserer bildnerischen Arbeit beziehen wir uns auf eine Porträtfotografie aus den Städtischen Sammlungen Coburg, die eine Frau um 1910 darstellt. Bei dieser Frau handelt es sich um Victoria Adelheid, die Herzogin von Sachsen Coburg und Gotha.

 

 

 d)

Uns fiel der starke Kontrast zwischen der damaligen Mode und unseren heutigen Kleidern auf. Aus diesem Grund kam uns die Idee, ein eigenes Kleid zu entwerfen. Der überladenen Mode des 20. Jahrhunderts stellen wir ein schlichteres Kleid entgegen, das auf Grund weniger Ornamente aus unserer Sicht harmonischer wirkt.

 

 

 


Um die Vergänglichkeit der Mode darzustellen entschieden wir uns eines der vergänglichsten Materialien unserer Zeit zu verwenden: Papier!

 

 

 


 

 

Carlotte und Evi

 

Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Pro Jahr bringt es ein Einzelner auf 82 Kilogramm weggeworfener Nahrungsmittel. Das sind deutschlandweit insgesamt 6,7 Millionen Tonnen jährlich.

 

... Mein Opa würde sagen, uns geht es zu gut...

 

Es muss immer etwas Neues sein, und wenn ein grob geschätztes Haltbarkeitsdatum genau in dieser Minute abgelaufen ist, dann darf man es auf keinen Fall mehr essen, oder? Große Supermarktketten entscheiden vorsichtshalber, eben solche Nahrungsmittel direkt in den Container wandern zu lassen.

 

Dazu kommt, dass man natürlich auch unbedingt Wassermelonen im Winter braucht, die weiß Gott nicht in der Nähe wachsen. Dann fliegen die halt mal 7750 km. Dass dabei aber 2859 Kilogramm CO2 pro Flug ausgestoßen werden, interessiert die wenigsten. Vielleicht sollte man sich überlegen, ob man wirklich an Weihnachten Kiwis aus Neuseeland oder Wassermelonen aus Zentralafrika essen will?! Oder ob nicht auch regionale Saisonfrüchte lecker sein können, selbst wenn sie kleine „Schönheitsfehler“ haben?!

 

 

 a)

Das Originalbild hat uns eine Möglichkeit aufgezeigt, durch Abwandlung des Gezeigten ein wichtiges Thema und Problem der Konsumgesellschaft zu verdeutlichen. Unsere Arbeit soll eine Kritik an dem verschwenderischen Konsum von Lebensmitteln und dem unbefriedigten Streben nach mehr sein.

 

 

 

 


 

Ann Kathrin

 

Woran denken Sie bei dem Begriff „Plastik“? Eventuell an eine Marmorbüste? An diesen Abbildern von Menschen, mühevoll aus dem hartem Stein herausgearbeitet, findet man keinerlei Makel. Man sieht keine Pickel, Hautunreinheiten oder Augenringe. Sie sind perfekt und zugleich starr, kalt und emotionslos.

 

 l)

 

Mir persönlich kommt es oft so vor, als strebe unsere Gesellschaft nach eben diesem Ideal.

 

Keine Gefühle, keine Emotionen, keine Fehler zeigen. Eigentlich möchte jeder perfekt sein.

 

Perfekte Figur, perfekte Haut, perfektes Aussehen, perfektes Äußeres.

 

Doch auch innerlich wollen wir vollkommen sein, unser Bestes geben, der oder die Erste und etwas Besonderes sein, bloß keine Fehler zulassen. Aber was sehen wir, wenn wir hinter diese Fassade schauen?

 

Jeder von uns macht Fehler, jeder hat seine Macken. Niemand ist perfekt oder wird es jemals sein. Natürlich können wir uns Masken aufsetzen, probieren anders zu sein, uns selbst und die anderen belügen, doch macht das Sinn? Sind es nicht eben diese Fehler und Macken, die uns voneinander unterscheiden? Sind nicht gerade die Dinge, die wir zu kaschieren versuchen, die uns eigentlich ausmachen?

 

Was wäre, wenn jeder ein bisschen mehr zu sich selbst stehen würde?

 

Was wäre, wenn wir nicht perfekt, sondern echt sein wollen?

 

Was wäre, wenn wir jetzt und hier einfach wir wären?