Melchior Franck

(geb. um 1579 in Zittau; gest. am 1. Juni 1639 in Coburg)

Melchior Franck (geb. um 1579 in Zittau; gest. am 1. Juni 1639 in Coburg)

Über Melchior Francks Lebensumstände ist wenig bekannt. Wir kennen kein Bild von ihm und es ist nur eine einzige Handschrift überliefert.

Da die Kirchenbücher der Stadt Zittau in einem großen Stadtbrand vernichtet worden waren, konnten Geburts- und Taufdaten Melchior Francks nicht ermittelt werden.

 

Auch wenn man nichts über seine Ausbildung weiß, so zeigen seine Werke doch eine gründliche Kenntnis des „niederländischen Stils“ der Lasso-Schule. Anders als einige seiner Zeitgenossen, etwa Heinrich Schütz, hatte Franck nicht die Möglichkeit einer Studienreise nach Italien. Den damals neuen italienischen Stil, die seconda pratica, hat Melchior Franck wohl durch Hans Leo Haßler kennengelernt.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Nürnberg 1602 trat er 1603 die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, unter dessen langer Regentschaft ein blühendes Musikleben entstanden war, das freilich nach 1632 den Kriegswirren zum Opfer fiel.

Auch Franck wurde dadurch schwer getroffen.

Nach vielen Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des Dreißigjährigen Kriegs und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Franck 1639 in Armut.

Melchior Franck steht an der Stilwende von der Spätrenaissance (beispielsweise repräsentiert

durch Giovanni Pierluigi da Palestrina und Orlando di Lasso) zum Frühbarock. Er schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk, das größtenteils im Druck erschien und auf den

musikalischen Bedarf eines barocken Fürstenhofes zugeschnitten war.

Francks umfangreiches Schaffen, das sich über seine Lebzeiten hinaus einer großen Beliebtheit erfreute, ist in starkem Maße der Tradition des 16. Jahrhunderts verpflichtet, und nur behutsam und zögernd wandte er sich den neuen musikalischen Satz- und Ausdrucksmitteln zu.

Francks Werk umfasst geistliche Musik in deutscher und lateinischer Sprache, vornehmlich zum

Gebrauch im evangelischen Gottesdienst. Zahlreiche Motetten, Psalmvertonungen und andere

Kirchenmusiken sind erhalten. Bekannt sind beispielsweise die vierstimmigen Gemmulae

Evangeliorum (auch herausgegeben als Deutsche Evangeliensprüche für das Kirchenjahr) von

1623, einige Choräle (im Evangelischen Gesangbuch finden sich die Melodien zu Gen Himmel

aufgefahren ist [EG 119] und Jerusalem, du hochgebaute Stadt [EG 150]) sowie der Kanon

(ursprünglich ein Gästebucheintrag).

Franck komponierte ebenso weltliche Vokalmusik. Seine zahlreichen weltlichen Liederbücher

haben hinsichtlich der Texte (Bergreihen, Reuterliedlein, Quodlibets, Liebes- und andere

Volkslieder oder Gesänge nach italienischen Mustern) auch literarische Bedeutung. Ferner schuf

er Instrumentalmusik, beispielsweise Tanzsätze.

Seine weltliche Vokalmusik – in den letzten 15 Lebensjahren fast ganz hinter dem geistlichen Schaffen zurücktretend – zeigt eine deutliche Vorliebe für ältere deutsche Volksliedweisen, volkstümliche Rufe u. ä. Charakteristisch ist für Franck auch die große Zahl von Quodlibets, mit denen er zum Hauptmeister dieser Gattung im frühen 17. Jahrhundert wurde.

Das Volkslied „Ach Tannenbaum“, eine

Ursprungsversion des Liebesliedes „O Tannenbaum“, das später zum populären Weihnachtslied „O

Tannenbaum“ umgedichtet wurde, wird ihm zugeschrieben.

Hundert Jahre nach seinem Tod war Franck vergessen. Sein Werk wurde erst Ende des 19.

Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Nach wie vor sind große Teile seines Werks

nur Spezialisten bekannt. Besondere Verdienste um die Pflege des Franck-Erbes hat sich der Melchior-Franck-Kreis Coburg

erworben.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Franck