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mors ianua vitae – vita ianua mortis

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MORS IANUA VITAE – VITA IANUA MORTIS

Grabinschriften vom Nürnberger Johannisfriedhof für Sigismund von Birken, Harsdörffer und weiteren Humanisten

Dieses Motiv -MORS EST IANUA VITAE – aus der Inschrift auf dem „Grabmal über der Streitbergschen Gruft“ lässt nicht nur den Leser nachdenklich werden, sondern lädt ein zu wissenschaftlicher Betrachtung der verwendeten Stilmittel, der Wortwahl und vor allem der Motive. Dabei werden Inschriften auf Gräbern des Johannisfriedhofs gezeigt, übersetzt, analysiert und mit Kommentaren versehen. Diese sind Humanisten und (Barock-)Dichtern wie Sigismund von Birken und Christoph Harsdörffer sowie Künstlern wie Albrecht Dürer und Joachim von Sandrart zuzuordnen. Aus Platzgründen wird hier mehr das Gemeinsame bzw. das Verschiedenartige herausgestellt, auf speziellen (untergeordneten) Seiten werden dann die einzelne Inschriften genauer erklärt.

Die ehemals in Ahorn dem Grabmal „zunächst befindliche“ ist heute – wie oben gesagt – an der Südwand im Innern der Kirche aufgestellt. Auch wenn von der Inschrift wenig zu erkennen ist, so ist doch der Text – ein lateinisches Distichon – bei Ludwig überliefert. [Übersetzung und Kommentar: Ahorn – Epitaph etc.]

 

Die folgenden Distichen werden zitiert nach Ludwig:

VITA QVID EST? MORS EST QVID MORS? EST IANVA VITAE

    IANVA QUID VITAE? COELVM ANIMAEQVE SALVS

SIC NON MORITVR IVSTVS MORITVR NEC CANDIDA IVSTI

    VIRTVS NON MORITUR RELIGIOSA FIDES

NEC MORITUR BENE QVI VIXIT SED DESINIT INTER

    VIVERE MORTALES DESINIT ATQVE PREMI

SIC STREITBERGERVS NVNC VICTA MORTE TRIVMPHAT

    VITA SIBI MORS EST MORS SIBI FACTA LVCRUM

 

Direkte Parallelen sind in der Grabinschrift des Sigismund von Birken, die er selbst verfasst hatte,  zu erkennen.

Sigmund von Birken – auch Sigismund von Birken, der seinen Namen latinisierend auch in „Betulius“ geändert hatte –  wurde geboren am 25. April 1626 und starb am 12. Juni 1681 in Nürnberg.

Er war  ein protestantischer deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer des Barock, Mitglied unter anderem des Pegnesischen Blumenordens zu Nürnberg und der Fruchtbringenden Gesellschaft, des sogenannten Palmenordens. war ein bekannter Barockdichter, der seinen Namen latinisierend auch in „Betulius“ geändert hatte:

Vita Via est Mortis / veræ

MORS IANUA VITÆ.

Vita Mortis, Mors vitae Introitus.

Morimur orientes, morientes orimur.

Horum memor

SIGISMUNDUS a Birken Com[es]. Pal[atii]. Caes[aris].,

dum mortem viveret,

Sibi & desideratissimæ conjugi

MARGARETÆ MAGDALENÆ GŒRINGIÆ,

Fratribus Germanis Betuliis & Posteris

Hoc Vitæ Ostium elegit.

Animæ in Patriam reduces.

hic depositas Exuvias

pulc[h]rius repetent.

FIDES VIDEBIT.

Iesus vivit, & nos vivemus.

IPSE FACIET.

A.[nno] R.[edemptionis] O.[rbis]

MDCLXX.


Erklärungen:

  • das Epigramm ist in elegischen Distichen verfasst, was die Übersetzung hier nicht imitiert. Eine Übertragung in deutschen Distichen findet sich bei Lehfeld / Voss S. 392!
  • Das Epigramm ist rhetorisch gestaltet, wobei besonders das Spiel mit Wörtern gleicher Wurzel oder mit unterschiedlicher Flexionsform auffällt:

VITA – VIVERE (VIXIT) und MORS – MORITVR – MORTALES

  • Die antithetische Gestaltung Leben-Tod ist typisch, findet sich sehr zahlreich in der Dichtung des Barocks und besonders des Manierismus, der z. B. Stilmittel und Wendungen einsetzt, um Erstaunen zu erzeugen.
  • Allerdings ist diese Antithese Tod – Leben nicht nur rhetorisches Spiel, sondern auch Kern der theologischen Deutung, denn wenn der Tod als Tür zum Leben bezeichnet wird, so ist damit die Tür zum ewigen Leben zu verstehen. Ähnlich negative Sichtweise des „irdischen“ Lebens erkennt man bei den indischen Religionen, wenn etwa Buddha erkläret: „Erkennt, ihr Mönche, dass alles Dasein leidvoll ist. Geburt ist Leid, Altern ist Leid…“ Aber während es dort das Ziel ist, den Kreislauf der Wiedergeburten zu beenden, wird im Christentum dieser Zeit v. a. wegen der Übel der Zeit wie Pest und Krieg das Leben als schlecht und der Tod als Befreiung verstanden.

Worterklärungen:

 

 


Fotos: Koch

Quellen:

Gerhard Fink: Nürnberg (Reihe: Lokalhistorische Texte); München 1983

Joh. Martin Trechsel; Verneuertes Gedächtnis des Nürnbergischen Johannis Kirch Hof; Frankf. & Leipzig 1735;

virtuelles Museum Nürnberger Kunst

Haas, Helmut: Inschriften der Stadt und des Landkreises Coburg bis zum Jahr 1650; Bindlach [Selbstverl.] 2002

Armin Leistner: Alte Grabdenkmäler und Epitaphien des Coburger Landes – I. Teil; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1976; S. 60  ff.

 


Zuschriften bitte an: Coquus22@gmail.com (Administrator)

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