Grabinschrift für Christoph Harsdörffer vom Nürnberger Johannisfriedhof

 

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Harsdörffer als poeta laureatus 1657

Georg Philipp Harsdörffer war ein sehr vielfältiger und sehr produktiver Autor zu fast allen Wissensgebieten seiner Zeit. Er wurde  1. November 1607 geboren und starb am 17. September 1658 in Nürnberg.

Ab 20. März 1623 war Harsdörffer an der Universität Altdorf eingeschrieben. Drei Jahre später wechselte er an die Juristische Fakultät nach Straßburg, wo er sich am 10. Juli 1626 immatrikulierte.

Am 9. Juni 1634 heiratete er Susanna Fürer von Haimendorf. Ab 1655 sah man ihn als Mitglied des Inneren Rats. Denn Harsdörffer gehörte dem Nürnberger  Patriziergeschlecht Harsdorf von Enderndorf  an. Neben den juristischen und politischen Aufgaben fand Harsdörffer aber noch ausreichend Zeit, um als Schriftsteller, Übersetzer und Wissenschaftler ein umfangreiches Werk zu schaffen. Interessant ist sein Beitrag zur Poetik, denn er lehrte sie als ein erlernbares Handwerk, wobei Regeln zur Dichtkunst den Schülern nur „eingetrichtert – vgl. deshalb den „Nürnberger Trichter„! – werden mussten, um aus ihnen Dichter zu machen. Sein Poetischer Trichter (1647–1653) gehört zu den umfassendsten Poetiken des Barock.

Im November 1641 wurde Harsdörffer von in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Ihm wurde der Gesellschaftsnamen der Spielende verliehen und die Devise auf manche Art zugewiesen. Als Emblem trug Harsdörffer „die kleinen bunten englischen oder welschen böhnlein“ (Phaseolus vulgaris L.).

Zusammen mit Johann Klaj gründete Harsdörffer 1644 den Pegnesischen Blumenorden, dessen literarische Aktivitäten um 1649, zur Zeit des Nürnberger Friedensexekutionskongress, an ihren Höhepunkt gelangten. Unter dem Namen der Kunstspielende war Harsdörffer auch Mitglied der in Hamburg gegründeten Deutschgesinnten Genossenschaft. Diese Vereinigung hatte sich u. a. zum Ziel gesetzt, die deutsche Sprache zur Geltung zu bringen und die Verwendung von Fremdwörtern zu vermeiden.

Im Alter von 50 Jahren starb Georg Philipp Harsdörffer am 17. September 1658 in Nürnberg und wurde auf dem dortigen Johannisfriedhof beigesetzt. Bei Fink a. a. O. S. 43 wird als von Harsdörffer selbst verfasste Grabinschrift als  zitiert:

 

MORS CHRISTIANORUM NATALIS

IOHANNES CHRISTOPHORUS HARS

DOERFFERUS SENATOR REI PUB. PATRIAE

SIBI UXORI SIBYLLAE IMHOFIAE

LIBERISQ[UE].

 

Übersetzung:

DER TOD IST DER GEBURTSTAG FÜR CHRISTEN

Johannes Christopher Harssdörffer, Ratsherr der heimatlichen Republik

[hat den Stein anfertigen lassen] für sich, die Gattin Sibylle Imhof und die Kinder

 

Kommentar:

MORS CHRISTIANORUM NATALIS: Da mit dem Lebensende nur der Körper stirbt, nicht aber die Seele, so wird der Tog hier als  der wahre, der bedeutendere Geburt(stag) gesehen. Gryphius formuliert in „Es ist alles eitel“ diese Gewichtung so: Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten, … // Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

[hat den Stein anfertigen lassen]: die Dative (dativus commodi) „SIBI UXORI SIBYLLAE IMHOFIAE LIBERISQ[UE]“ ergeben nur eine Sinn, wenn ein Prädikat dazu ergänzt wird. Typisch für Gräber ist seit der Antike „fecit“, was nicht bedeutet, dass er es selbst gemacht hat, sondern, dass er es auf eigene Kosten hat errichten lassen. In satirischer Zuspitzung greift Martial in Epigr. IX 15 das „feci“ auf: Inscripsit tumulis septem scelerata virorum // „Se fecisse“ Chloe. Quid pote simplicius?

SIBYLLAE IMHOFIAE: Die Imhoff (auch: Imhof) sind eine der ältesten und bedeutendsten süddeutschen Patrizierfamilien 

RES PUBLICA: Die Reichsstadt Nürnberg bezeichnete sich – wie auch andere Freie und Reichsstädte oder die italienischen Stadtstaaten – selbst als „Republik“ (res publica). Neben der Anlehnung an das römische Vorbild bedeutet der Begriff hier auch den Gegensatz zu den ansonsten üblichen monarchischen Regierungsformen. „Republik“ darf aber nicht mit „Demokratie“ gleichgesetzt werden, sondern  als bürgerliche Republik mit aristokratischer Verfassungsordnung besaß Nürnberg jedoch trotz solcher Staatsorganisation keine Feudalherrschaft auf der Grundlage des Lehnswesens, sondern bildete eine frühneuzeitliche bürgerliche Gesellschaft, in diesem Fall eine Patrizierherrschaft. zitiert nach: Patriziat (Nürnberg) – Wikipedia

 

Beim Besuch des Johannisfriedhofs kann man diese Inschrift auf diesem Epitaph (Grabnummer D 60a) sehen:

MORS VITÆ IMITABILIS ECHO

CONDITORIUM HOC

GEORGIUS PHILIPPUS HARSDÖRFFERUS

PATRIÆ SENATOR

IMMUTATIONIS SUÆ MEMOR,

SIBI POSTERIQVE PON. VOL.

ANNO

CLEMENTIÆ DIVI


zur Inschrift: Epitaph des Georg Philipp Harsdörffer | Kunstwerk | virtuelles Museum Nürnberger Kunst

Übersetzung:

Der Tod ist ein das Leben nachahmendes Echo

dieses Grabmal hat der Ratsherr seiner Heimat

Georg Philipp Harsdörffer

eingedenk seiner Umwandlung

für sich und seine Nachkommen aufstellen wollen

im Jahr der göttlichen Barmherzigkeit  1658 (CLMIDIVI = MDCLVIII)

 

Kommentar:

CONDITORIUM: Grabmal; vgl. condere = beisetzen, bestatten

PON. VOL.: zwei Auflösungen sind möglich: poni voluit (hat gewollt, dass aufgestellt wird) – ponere voluit (wollte aufstellen)

1658: CLMIDIVI = MDCLVIII (Chronogramm)

Erklärungen:

 


Fotos: Koch

Portrait als poeta laureatus: Fotothek df tg 0002803 Epigramm – Georg Philipp Harsdörffer – Wikipedia (gemeinfrei)

 

Quellen:

Gerhard Fink: Nürnberg (Reihe: Lokalhistorische Texte); München 1983; S. 43

Georg Philipp Harsdörffer – Wikipedia

Epitaph des Georg Philipp Harsdörffer | Kunstwerk | virtuelles Museum Nürnberger Kunst

Joh. Martin Trechsel; Verneuertes Gedächtnis des Nürnbergischen Johannis Kirch Hof; Frankf. & Leipzig 1735; S. 863 – 864

 


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