Tafel in der Regimentsstube im Rathaus

Kommentar

 

Die lateinische Bauinschrift bezieht sich auf die Rathauserneuerung im Jahre 1752.

Der Text ist in 7 Distichen verfasst, woraus sich manche ungewöhnlichen Wörter (z. B. melocabum) und Satzstellungen (cum communi priva salute salus statt  priva salus cum communi salute ) erklären. Sie zeigen aber eine gute Kenntnis der lateinischen Sprache, Gewandtheit im Formulieren bzw. in der Metrik und umfassendes Wissen, man könnte von einem „poeta doctus“ sprechen.

 

svb auspicia

sereenissimi principis

domini

francisci josiae

ducis saxoniae

 


 Pax erat ac placida gavdebant regna salvte

Friede herrschte und über ruhiges Wohlergehen freuten sich alle Herrschaftsgebiete,

 Evropae qvotqvot svb ditione iacent.

 die im Machtbereich Europas liegen,

3   Avrea melocabi refoverant secvla campos

Goldene Zeiten hatten die Felder  Coburgs erblühen lassen

4   Francisco ivsta scepra tenente manv.

als Franziskus das Zepter mit gerechter Hand hielt, das

5   Usque minabatvr sed cvria prisca rvinas 

bis das altehrwürdige Rathaus einzustürzen drohte,

6   haud bene contigvo ivncta tenore domus.

 weil es nicht gut verbunden war in der Struktur des Hauses.

7   ivssa hinc in melivs veterm convertere formam

Deshalb war befohlen worden, die alte Form ins Bessere zu ändern Deshalb wurde angeordnet, die alte Gestalt ins Bessere zu wandeln,

8  Induit hocce novvm fronte sinvque decus.

und diese zog neue Schönheit in der Fassade wie im Innern    und es kleidete sich außen und innen in diesen neuen Glanz.

9   fortunae discant nostrae monimenta nepotes

Mögen die Enkel die Denkmale unseres Schicksals kennen lernen     Mögen die Enkel die Denkmale unserer glücklichen Zeit kennen lernen

10  auctoremqve colant tempora cvncta dvcem.

 und als Erbauer den Herzog alle Zeit ehren!

11  floreat innumeros stirps haec augusta per annos

Möge dieser erhabene Stamm der Sachsen unzählige Jahre hindurch blühen

12  Saxonidvm et grata secvla pace beet.

 und mit willkommenem Frieden die Jahrhunderte beglücken!

13  sic etenim themidos smper pia templa manebvnt

So nämlich werden die frommen Tempel des Rechts immer andauern bleiben

14  et cum commvni priva salvte salvs

und mit dem allgemeinen Wohl auch das persönliche Wohl.


f. f.

In Ehrfurcht und Treue der Rat von Coburg.

senatvs cobvrgensis

cddcclii

 1752

 

Kommentar:

2 quotquot (indeklinabel): wie viele nur immer

 3 refoveo: neu beleben

melocabum: in den  „Geographia“ (ca. 150 n. Chr.) von Claudius Ptolemäus wird eine Stadt Melocabum erwähnt, nach Johann Heinrich Zedler Bd 6, Pag 527) soll dies Coburg sein.:

4 sceptrum; das Zepter, hier dichterischer Plural, die  Verwendung wohl durch metrische Zwänge bedingt:

 

12 beet von beo = glücklich machen, erfreuen

 

13 Themidos: Themis, Themidis; Themidos ist der (altgriechische) Genitiv zu  Θέμις.  die (griechische) Göttin des Rechts, das Recht

 

14 priva: zu privus, a,um  einzeln, jeder; eigentümlich, eigen

(Übers.: Chr. d’Angelo, T. Scholz, H. Faber, Casimirianum 1993)

 

Quelle:

Das Rathaus der Stadt Coburg; Reihe: Coburg bringt’s zusammen; (danach: https://www.coburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-691/646_read-2195/)

Foto der Regimentsstube sowie der Tafel: https://www.coburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-691/646_read-2195/

 

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