Coburgum Latinum

Epitaphien an der Salvatorkirche

sowie im Salvatorfriedhof

 

Der Salvatorfriedhof war 1494 angelegt worden und wurde 1866 aufgelassen. 1605 entstanden die Bogengänge, unter denen vornehmere Coburger beigesetzt worden sind und das Renaissancetor mit der Christusstaue (Salvator). Seit 1984 besteht hier eine Parkanlage, in die Grabsteine und Architekturfragmente mehr unter dekorativen Gesichtspunkten integriert wurden als . Nach der Auflassung wurde die Fläche durch die Neubauten des Alexandrinums und der Turnhalle 1967 und den Erweiterungsbau 1985 verkleinert. (vgl.: Morsbach / Titz: Stadt Coburg – Denkmäler in Bayern, München 2006; S. 278/9). Auch hier werden von den zahlreichen Grabdenkmälern bzw. Epitaphien nur die mit ausschließlich lateinischer Inschrift ausgewählt. Nicht berücksichtigt werden deshalb deutsche Inschriften, selbst wenn kurze lateinische Wendungen integriert sind.


A)  (Abb. 32b) Johann Friedrich Facius, geboren 1672 zu Altenburg, wurde anlässlich einer von Herzog Albrecht, 1679-1699, angeordneten Visitation des Gymnasiums als ordentlicher Professor der griechischen Sprache angestellt. (An der Außenwand der Sakristei im Süden der Salvatorkirche)

 

D.O.M.S. / Deo Optimo Maximo Sacer  = geheiligt dem größten und besten Gott

der dem besten und größten Gott geheilgte

CONTEGIT. LAPIS.

Stein bedeckt (contegere = bedecken)

HIC. CORPVS. /

hier den Körper (hic könnte als „dieser Stein“ oder „der Stein hier“ aufgefasst werden)

VIRI QVONDAM EXCELLENTSSIMI /

eines einst vortrefflichsten Mannes

IOHANNIS. FRIDERICI. FACII /

des Johann Friedrich Facius

CONSILIARII REDITVVM. SEREN. PRINCIPVM. SAXONVM /

des Ratgebers (consiliarius) der Rückkehren der Fürsten von Sachsen

DNN. IOHANNIS ERNESTI CHRISTIANI. ERNESTI /

des Johannes Ernst Christian

ERNESTI / FRANCISCI IOSIAE /

Ernestus Franciscus Josias

IS. NATUS. ERAT ALTENBVRGI. A.D. III. ID. FEBR. A. MDCLXXII /

dieser war geboren in Altenburg am 13. Februar (3. Tag vor den Iden des Februar) im Jahr 1672

OBIIT. DIEM. SVVM COBVRGI. A.D. XVIII. OCTOBR. A. MDCCXXXI /

er starb (beging seinen Tag) in Coburg am 18. Oktober am Jahr 1731

IN. VITA. SEMPER FVIT /

im Leben war er immer

DEO. ET. PRINCIPIBVS. FIDELIS. /

treu gegenüber Gott und den Fürsten

weitere vier Zeilen unleserlich~.

 

Erläuterung:

A.D. = anno Domini: im Jahr des Herrn

a. d. = ante diem III.

 

 


Anna Sabina Gihnlein, geb. May, verw. Reineck

TERRA HAC / QVIESCUNT/ OSSA /

ANNAE SABINAE/ ROMHII,DENSIS / NATAE MAIO-STEINACCERIAE /

NUPTAE / I. / CHRISTOPHORO REINICK, / ADMINISTRATORI AULAE COBURGENSIS.

verheiratet 1. mit dem Amtskastner und Hausvogt Christoph Reineck

II. / JOHANNI JACOBO GIHNLEIN,/

und 2. mit dem Johann Jakob Gihnlein

PRAEFECTO AD ERICAS NEOSTAD/

dem Amtmann zu Neustadt an der Heide (erica)

EX QVIBUS / VARA HOMINUM FIECITATE /

von denen sie mit + der Menschen

MATER / AVIA / PROAVIA /AMPLEXA EST /

als Mutter, Gromutter und Urgroßmutter geliebt hat (amplecti = umfassen, umarmen, lieben)

SEPTEM LIBEROS / SEPTENDECIM NEPOTES / QVINDECIM PRONEPOTES /

sieben Kinder, siebzehn Enkel und fünfzehn Urenkel

OBDORMIVIT / IN DOMINO / COBURGI / OCTOGENARIA MAIOR /

entschlafen ist im Herrn in Coburg als ältere Achtziglähige  (octogenarius = achtzigjährig)

ANNAE SALUTIS REPARATAE / MDCCVI, /

1706
QVAM LUGENT POSTERI, / VENERUNTUR/ PROBI /

welche die Nachwelt betrauern wird und die Rechtschaffenen verehren

 


Johann May f 1671 (in den Gruftarkaden)
a) Johann May, gen. Majus, geb. 1592 in Römhild, war Doktor der Me~, Leib-
arzt arn Hofe und Stadtphys~ zu C~urg. Er war verheiratet. Seine Ehefrau
hieß Sabina. Die Tochter Anna Sabina war in erster Ehe mit dem Amtskastner

n

 

 

AETERNITATIS/IN HOC DORMITORIO/STEINACCERIANO/ REQUIESCIT ETIAM GENER /

In diesem Schlafhaus der Ewigkeit der Familie Steinacker ruht auch der Schwiegersohn

EXPERIENTISSIMUS VIR / JOHANNES MAJUS, / RÖMHILDENSIS.

der sehr erfahrene Mann Johannes My aus Römhild

MEDICINAE DOCTOR CELEBERRIMUS, /

der sehr bekannte Doktor der Medizin

 

PHYSICUS IN PATRIA, DEIN HIC COBURGI /ORDINARIUS,

ATQUE PER ANNOS L. / PRACTICUS FELICISSIMUS: /

MARITUS QUATOR UXORUM /

NATALIUM SPLENDORE, MORUMQUE / CANDORE SUSPICIRNDATUM: /

TRIUM LIBERORUM PATER: /

SEPTEM EX FILIA NEPOTUM AVUS /

ET DUORUM PRONEPOTUM PROAVUS: /

NATUS V. CAL. OCTOBR. MDXCII. /

PIE DE NATUS V. EID. JUNII. MDCLXXI. /

CUM VIXISSET ANN. LXXIX. /

JOHANNES JACOBUS GIHNLINUS. /
CONSISTORI. DUCALIS SECRETARIUS, /

herzoglicher Sekretär

EIUSDEMQUE UXOR ANNA SABINA /

SOCERO . . . PATRI. / DESIDERATISSIMO /

MONUMENTUM IST[um] HOC MOERENTES / PONI CU/RARUNT.«

die diesen Betrauernden haben Sorge getragen, dass dieses Monument hingestellt wird.

moerere = maerere: trauern; curarunt = curaverunt

 

 

 

 

 

 


Literatur:

Armin Leistner: Alte Grabdenkmäler und Epitaphien des Coburger Landes – II. Teil; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1977; S. 95 ff.

Die Seiten zum Thema:

Mausoleum bei Wikipedia

Mausoleum im Hofgarten 

 

Armin Leistner: Alte Grabdenkmäler und Epitaphien des Coburger Landes – II. Teil; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1977; S. 114  ff. (= Salvatorkirche)

 


 

Zuschriften bitte an: Coquus22@gmail.com (Administrator)

Bitte besuchen Sia auch die gleichlautende Seite bei Facebook: Coburgum Latinum

zurück zur Prima Pagina