Grabplatte 23: Johann Philipp Eberwein

 

 

Die Grabplatte war wohl

ursprünglich im Innern der Kirche angebracht gewesen,

Foto: Koch


Sub hoc lapide quiescit

Unter diesem Stein ruht

et Ver Resurrectionis exspectat corpus

und erwartet den Frühling der Wiederauferstehung der Leib

incorrupti Justitiae sacerdotis et vivi palmitis Christi

des unbestechlichen Priesters der Gerechtigkeit und des lebendigen Weinstocks Christ,

Johannis Philippi Eberweinii, J. V. Doctoris clarissimi,

des Johannes Philipp Eberwein, des sehr berühmten Doctors beider Rechte,

in patria primum advocati ordinarij

des zuerst in seiner Heimat vorzüglichen Anwalts

et Jurium Professoris Gymnasii,

und des Professors der Rechte am Gymnasium [Casimirianum]

deinde ab anno 1687 Aulae ac justitiae Consiliarij,

Des danach ab dem Jahr1687 Hofrat und Justizienrat,

Deo, Ecclesiae, Principibus etiam in ipso mortis agone devoti,

Des dem Gott, der Kirche und den Fürsten auch im Todeskampf selbst Ergebenen,

viduarum, pupillorum, miserorum aliorum semper Curatoris:

Des ständigen Pflegers von Witwen, Waisen und anderen Unglücklichen.

Quem conjux Anna Dorothea, D. Tobiae Seifarti filia,

Diesen machte die Gattin Anna Dorothea, die Tochter von Herrn Tobias Seifart,

Olpii vidua, V. filiorum et IV. filiarum parentem fecit.

die Witwe von Olpius zum Vater von 5 Söhnen und 4 Töchtern.

Amissum vero hoc monumento,

Nachdem sie ihn verloren hatte, ehrte sie ihn aber mit diesem Gedenkstein

juxta cum filiorum superstitum biga honestavit.

daneben mit dem Zweigespann von überlebenden Söhnen.

Natus est Coburgi d. 23. Dec. 1648.

Geboren in Coburg am 23. Dezember 1648

Sed Gyemis (?) nostri temporis pertaesus,

Aber [als Gyemis] überdrüssig unserer Zeit

in coelum se recepit 1702, d. 14. Jan.,

zog sich in den Himmel zurück am 14. Januar 1704,

cum animam Deo, corpus vermibus (vertibus),

nachdem er Gott seine Seele, den Körper den Würmern,

curam vineal[is]. Christi, repagulo adversus vastationes muniendae piis posteris,

die Sorge um den Weinberg von Christus mit einem Riegel gegen die Verwüstungen zu befestigen den frommen Nachfahren,

se totum beatae aeternitati legavisset.

und sich ganz der seligen Ewigkeit überantwortet hatte.

Oben: Abiit, non periit.[vgl. abiit, non obiit]

Er ging weg, nicht unter.

Unten: Fama vivit.

[vgl: non moritur, cuius fama vivit]

Der Ruhm (über-)lebt.

Erklärungen:

palmes, palmitis: Zweig; Weinstock

ordinarius: Adjektiv: ordentlich (vgl. ordo), vorzüglich; subst. ordentlicher Professor

consiliarius: nkl.: Ratgeber; Rat

Deo, Ecclesiae, Principibus: Trikolon

agon (griech. Fremdwort): (Wett-)Kampf

vidua, pupillus: Witwe, Waisenknabe

biga (aus bi-iuga = zwei- Joch) : Zweigespann, Wagen

Gyemis: eine Korruptele:  Name? Nominativ (als G.)? Genitiv (des G.) etc.!

vermis; Wurm (bei Grimm: vertibus; Konjektur Krauß: vermibus)

„vineal.“ = vinealis: Weinberg (vgl. vinea Weinberg); vinealis … muniendae (Gerundiv)

repagula: (Tür-)Riegel

fama vivit: vgl. das Mausoleum im Hofgarten! Der Gedanke, dass der Ruhm (gloria, fama) weiterlebt, ist typisch für Horaz, also „heidnisches“ Denken. Luther bezieht das Weiterleben allerdings auf die Seele, was demnach eine v. a. christliche Denkweise darstellt. Allerdings wird die aufwändige Grabplatte ja auch gestiftet, um den „weltlichen“ Ruhm bei der Nachwelt zu sichern, insofern passt dieser Satz an dieser Stelle.


Quellen:  P. Lehfeldt / G. Voss: Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens /32: Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha. Landrathsamt Coburg. Amtsgerichtsbezirk Coburg [zitiert als: Lehfeldt / G. Voss] Heft XXXII; Jena 1906;

Armin Leistner: Alte Grabdenkmäler und Epitaphien des Coburger Landes – I. Teil; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1976; S. 122 f.

Ingo Krauß: die Epitaphien und Grabmäler der St. Morizkirche in Coburg; Zweiter Teil: Was außer den herzoglichen Epitaphien noch vorhanden ist und was verloren ging, dazu die Fürstengruft; Coburg 1933; Seite 44 f.

 


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