Lateinische Fundstücke

Häufig wurde Latein verwendet, um Bildung zu dokumentieren oder wegen des ästhetischen Vergnügens an der Sprache Vergils oder Ciceros. Deshalb begegnen natürlich besonders außen an Häusern lateinische Texte, da sie da besonders gut gesehen werden können.

Ein sehr schönes Beispiel bietet das Haus Hinterm Marstall Nr. 3.

Manchmal ist es auch unauffälliger wie die Begrüßung mit dem lateinischen „Salve“ an einem Haus in der Raststraße.

 

 

Oder ein kleines „hora ruit“, das wohl kaum jemand bemerkt haben dürfte, obwohl viele den Erker an der Hofapotheke schon bewundert haben dürften.

Das Apotheker-Symbol der Äskulap-Natter, die hier einen Kelch umschlingt, zu sehen, ist ein deutlicher Bezug zur Hofapotheke. Die Erklärung bzw. Ikonografie zeigt uns: Im Apotheken-A windet sich die Schlange um einen Kelch. Dabei handelt es sich um die Schale der Hygieia. Diese ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Gesundheit und gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Auch das Wort Hygiene wird vom Namen der Göttin abgeleitet. Dargestellt wird Hygieia meist mit einer aus einer Schale trinkenden Schlange. Da Hygieia eine Tochter von Asklepios ist, liegt es nahe, dass es sich hierbei wieder um die Äskulapnatter handelt. Hygieias Schale ist mit reinem Wasser oder Nahrung gefüllt und soll Gesundheit symbolisieren. Damit kann man argumentieren, dass es sich bei der Schale im Apotheken-A eher nicht um eine Waagschale oder – in Anbetracht der toxischen Substanzen, mit denen Apotheker zu tun haben – um einen Giftkelch handelt. In die heutige Zeit würde diese Interpretation auch viel besser passen. Apotheken sollten doch als Ort der Gesundheit wahrgenommen werden. (Quelle: Pharmazeutische Zeitung)

 

Nun zum „hora ruit“, einem bekannten Topos, wobei wohl das „tempus fugit“ noch bekannter sein dürfte, das aus dem Buch 3 von Vergils Georgica stammt, wo es als „fugit unreparabiler tempus“ (Es entkommt  unwiederbringlich die Zeit) erscheint. Dieses Zitat erscheint häufig auf Uhren; insbesondere auf Sonnenuhren.

Bei dieser Sonnenuhr – gefunden in der Toskana – ist mit „veni – vide – salve“ leider nur eine andere lateinische Wendung verwendet, aber im Augenblick habe ich – noch? – keine passendere Sonnenuhr mit einer eigenen Aufnahme verfügbar.

Reizvoll ist aber das Spiel mit Worten, denn die Aufschrift imitiert das bei Plutarch genannte Zitat Caesars „veni vidi vici“, das mit der alliterierenden Klimax dreier asyndetischer Zweisilber mit Homoioteleuton unterstreicht, wie leicht, schnell und vernichtend Caesar gesiegt hat. Zu beachten ist, dass das Zitat letztlich nur eine lateinische Übersetzung des griechischen Originals ἦλθον, εἶδον, ἐνίκησα ist (vgl. Wikipedia). Hier ist das „Veni“ aber nicht mit „ich bin gekommen“, sondern als (gleichlautender) Imperativ „komm!“ zu verstehen, weil ebenso fortgesetzt wird: „komm, sieh und leb wohl!“

Also: lasst uns mit offenen Augen durch Straßen und über Plätze gehen und „Fundstücke“ sammeln. Für die Zusendung sei schon vorher gedankt!


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