Hoflieferanten

Hoflieferanten erhielten besondere Privilegien für die Zulieferung von Waren oder das Anbieten von Diensten an einen Hof. In England wird diese Auszeichnung verliehen als „by appointment to her Majesty the Queen“. Auch die Herzöge des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha haben Ende des 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Urkunde zum „Herzoglich-Sächsischen Hoflieferanten“ verliehen. Dabei erhielt nicht nur der Lieferant Vorteile, sondern auch dem Hof wurde dadurch die Unterstützung der bürgerlichen Handels- und Industriebetriebe gesichert. In Coburg wurde diese Vereinbarung mit einer Urkunde zum „Herzoglich-Sächsischen Hoflieferanten“ festgehalten, die der Lieferant verliehen bekam. Die Herzöge ließen sich diese Auszeichnung aber auch bezahlen. Dadurch durften sie zum Beispiel Ihre Rechnungen mit dem herzoglichen Wappen schmücken.

Wappen des Herzoghauses außen am Haus der Hofbäckerei Feyler in der Rosengasse; das lateinische Motto des Herzoghauses „fideliter et constanter“ erscheint dabei unter dem Motto des Hosenbandordens „HONI SOIT QUI  MAL Y PENSE“ (Ein Schalk, wer Böses dabei denkt).

Dazu kam natürlich eine herausragende Stellung im Coburger Geschäftsleben. Allein in der Spitalgasse gab es um 1914 rund 15 Hoflieferanten, weitere kamen in anderen Gassen hinzu. Sieben dieser Coburger Hoflieferanten existieren heute noch und werden meist von den direkten Nachfahren der Gründer geführt. Beim Gang durch Coburg kann man den Zeugnisse heute noch begegnen:

Konditorei Feyler Lebkuchenmanufaktur

Rosengasse 6 Hoflieferant seit 1907

 

Wilhelm Feyler  bekam schon im Jahr 1897 vom Herzogshaus den Titel „Hofbäckerei“ verliehen. Herzogin Marie von Coburg, Großfürstin von Russland, ernannte ihn 1907 zum Hoflieferanten. Auch heute noch beliefert die Konditorei das schwedische Königshaus. Bekannt sind vor allem wohl die „Coburger Schmätzchen“. Das Geschäft wird heute in vierter Generation von Peter Feyler, dem Urenkel des Gründers, geführt.

Café Schubart (Coburg)

 

 

Wappen finden sich auch an anderer Stelle, so am Neubau des Geschäftshauses der Firma mit dem lateinischen Mott0: „semper idem“ (immer derselbe)

 

Nach Cicero, Tusculanae disputationes 3,31, berichtete Xanthippe, der Gesichtsausdruck ihres Gatten Sokrates sei  „immer derselbe“ gewesen, weil der Geist, durch den er entsteht, unverändert blieb. Später wurde das „semper idem“ zur Bezeichnung der Beständigkeit (vgl. Wikipedia).

 

Oder ein letztes Beispiel zum Vergleich, dieses -sehr neu und ohne Patina – gefunden in Mainz:

Das lateinische Motto „PATI POTIUS FATO“ bedeutet „stärker als das Schicksal ist das Ertragen“, das ein Juwelier mit mehr als 35 Filialen und einer Firmengeschichte von über 75 Jahren ausgewählt hat.


Zuschriften bitte an: Coquus22@gmail.com (Administrator)

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