„Salve“ an einem Haus in der Raststraße

Auch dieses Beispiel ist wohl wenigen aufgefallen, die an dem prächtigen Portal vorbeigegangen sind.

Nun ist die Inschrift nicht gerade umfangreich oder kompliziert, „Salve“ ist die einfache Form einer römischen Begrüßung, die überraschenderweise seit mehreren Jahren in Italien eine Renaissance erlebt hat. Zunächst hatten offenbar Studenten und junge Leute  in Rom direkt unter Bezug auf die Mutter der italienischen Sprache das „Salve“ verwendet. Mittlerweile ist das in alle Bevölkerungskreise vorgedrungen.  (vgl. in der Diplomarbeit S. 69: Begrüßung mit bella statt ‚ciao, salve‘, breitet sich allmählich auch außerhalb der Hauptstadt aus). Ein schönes Beispiel für das Wiederaufleben, in Deutschland könnte dem entsprechen, wenn man das „tandaradei“ des Walther von der Vogelweide aufleben lassen möchte ( dessen Aufnahme in den Duden laut Wikitionary „wohl auch nicht die Chance auf Verwirklichung hat“).

Zurück zum Salve:

Und als weiteres Beispiel aus Coburg

Das „Salve“ soll wohl anzeigen, dass Besucher und Freunde willkommen sind und damit steht es in langer Tradition. Das bekannteste Beispiel stammt sicher aus Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar, wo im Entrée bis heute der auf der Schwelle in Ebenholz eingelegten, SALVE-Gruß zu finden ist:

 

Banaler ist die Fußmatte aus Kokos mit dem „SALVE“, die im Museumsshop der Stiftung Weimarer Klassik für das eigene heim erworben werden kann.

Auch ein Mosaik im Eingangsportal des Vestibulums des Pompejanums in Aschaffenburg zeigt das „Salve“, wobei eine ganz zentrale Rolle bei der Planung aus der Ferne der Gelehrte Martin von Wagner (1777-1858), der als Ludwigs Kunstagent in Rom wirkte, gespielt hat. Eigentlich sollten hier originale Mosaikarbeiten, wie man sie in Pompeji gefunden hat, verwendet werde, was sich aber als zu teuer herausstellt hat. So griff man auf heimische Handwerker zurück.

Hier noch ein weiteres Beispiel, gefunden in Mainz:

Wer also mit offenen Augen durch irgendwelche Städte geht, wird sicher selbst solche Entdeckungen machen.

Noch etwas, was im italienischen Badeort Viareggio gefunden worden ist und was in ähnlicher Weise Besucher begrüßt:
Und noch ein „Fundstück“ aus Limone. Dort findet man eine Villa in einem prächtigen – fast möchte man sagen „herrschaftlichen“ – Garten,
die beim Näherkommen sich als „Municipio“ herausstellt.
Kommt man noch näher, so entdeckt man unter dem Dächlein über der Eingangstür eine lateinische Inschrift:
PARVA DOMUS – MAGNA QUIES. welch Übertreibung mit parva, denn das Gebäude in bevorzugter Lage ist durchaus nicht klein! Aber eben nur, um die Wirkung von magna quies zu steigern. Gerade die prägnante Kürze macht den Reiz hier aus.
So erkennt man schnell die Antithese parva – magna (klein – groß). Durch den Parallelismus
PARVA DOMUS
MAGNA QUIES
werden beide Feststellungen miteinander verbunden: Obwohl das haus klein ist, bietet es doch große Ruhe, wobei „quies“ den Gegensatz zum Tätig-Sein, manchmal auch zur Gefahr  ausdrückt, was freilich bei Cicero und Plinius (z. B. I.9: O rectam sinceramque vitam! O dulce otium honestumque ac paene omni negotio pulchrius! O mare, o litus, verum secretumque ‚μουσείον ‚, quam multa invenitis, quam multa dictatis!) mit otium (also das Gegenteil von nec-otium = negotium = Geschäft) noch pointierter ausgedrückt wird.
So wird hier die Bedeutung eines Hauses für seinen Besitzer ausgedrückt: Hier finde ich große Ruhe, in meinem „kleinen“ Sommersitz am See während der Ferien, während das (große?) Stadthaus der Repräsentation und den Geschäften vorbehalten ist. Daraus ergibt sich – in Fortsetzung der Ideale eines Cicero oder eines Plinius – eine deutliche Wertung der Ruhe und der Ferien als das Wichtigere, die Geschäfte und Verpflichtungen als das Notwendige, aber nicht als das, was das Leben ausmacht und bestimmen soll.
Damit sind Haus und Garten als Schutz gegen das Unbill des Lebens deutlich bestimmt. Vergesse man aber nicht, dass so eine Sicht nur der vermögenden Oberschicht möglich war und ist, die große Mehrheit hat nicht solch ein Refugium, sondern die Arbeit, die Sorge um den Lebensunterhalt bestimmen das Leben!
Wer also mit offenen Augen durch irgendwelche Städte geht, wird sicher selbst solche Entdeckungen machen.

Und damit bleibt nur noch eins:

Valete!


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