Kommentar zur Inschrift der Ratsschule

 

Text Übersetzung Kommentar
Epigramma in honorificam scholae Epigramm zum ehrenden Gedenken an die wieder errichtete Coburger Schule: Epigramm ist wörtlich eine „Aufschrift“
Coburgensis denuo extructae memoriam: denuo [de novo]: die Schule wurde an der Stelle der abgerissenen Vorgängerschule neu errichtet.
Morlino verbi sacri doctore coburgi Als Morlinus der Lehrer des heiligen Wortes war in Coburg,
Urbis celebris Franciae Der gefeierten Stadt Frankens
Qvando duodecies Herwardus consulem agebat Und als Herward zum 12. Mal Bürgermeister war consul und aedil stehen für die deutschen Ämter, man spricht da von Latinismen, wobei aedil und Baureferent natürlich nicht bedeutungsgleich sind.
Cerero et Hausen aedilibus [.] Und Cerer und Hausen Bauherren waren Den Aedilen oblag in Rom auch die Fürsorge für öffentliche Bauten
Hae sunt extructae numerosis sumptibus aedes [,] Ist dieses Haus mit hohem Aufwand erbaut worden, Handwerkerrechnungen sind erhalten (vgl. Wessels, Grabungsmuseum Kirchhof)
Ut intreat rex gloriae [.] Damit der König der Ehre eintrete
Christe[,] tibi sacram musis [que / et] tuere sareptam [,] O Christus, beschütze dieses dir und den Musen heilige Sarepta Sarepta (griechische Bez. der phönizischen Stadt Zarpat) bedeutet Schmelzhütte [vgl. Fußnote 1]
Ecclesiae sit ut hortulus[.] Damit es ein Gärtchen der Kirche sei Das Bild der Kirche als hortulus wird mit flos fortgeführt.
Flos ubi succrescat[,] Qvi tandem inserviat aulae Wo dir eine Zierde nachwachse, die am Ende dem Hof
Toti rei [que] publicae [.] Und dem ganzen Staat dient.
Anno Christi Psalmo LXIIII Im Jahr des Herrn 1576 1576 ergibt sich durch das Chronogramm [vgl. Fußnote 2]
Laetabitur iustus in dominovo [wie] Im Psalm 64: es wird sich freuen der Gerechte im Herrn Psalm 64 [vgl. Fußnote 3]

LATAEITUR ist ein Schreibfehler, es muss laetabitur heißen.   [vgl. Fußnote 4] Der Fehler stand natürlich nicht in der Originalinschrift, sondern ist erst einem des Lateinischen unkundigen Restaurator offensichtlich beim Ausmalen unterlaufen. Denn dadurch, dass beim „B“ die rechten Bögen fehlen, sah es für den Restaurator so aus, als ob hier ein „E“ stehen würde.

Et sperabit in eo Und hoffen in ihm.

 

Fußnote 1: Sarepta (griechische Bez. der phönizischen Stadt Zarpat) heißt Schmelzhütte [vgl. Fußnote 3]  (vgl. WiBiLex und Wikipedia); überzeugend ist folgende Erklärung: ein Gerichtswort des Propheten Maleachi: „Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen.“ (Maleachi 3,3). … Löhe hatte erklärt, Christus selbst sei der Schmelzer. So wie der Schmied durch glühende Hitze alle Verunreinigungen aus dem Silber herausbrenne, um es rein verarbeiten zu können, so läutere Christus die Seele eines Menschen von allem Eigenwillen, um ihr Innerstes formen zu können. Entsprechendes könnte über Schulerziehung gesagt werden.

Fußnote 2: Ein Chronogramm (oder Eteostichon) ist ein Satzteil, ein Satz, ein Sinnspruch oder eine Inschrift, meist ein Vers in lateinischer Sprache, in dem diejenigen Buchstaben, die auch als römische Zahlzeichen gelesen werden können (I, V, X, L, C, D, M), in ihrer Summe die Jahreszahl des Ereignisses angeben, auf das sich der Text bezieht. Dabei sollte jedem Buchstaben, der eine Entsprechung als römisches Zahlzeichen besitzt, auch tatsächlich eine Bedeutung für die Ermittlung der Jahreszahl zukommen. Die Zahlbuchstaben sind meist hervorgehoben, etwa durch Großschreibung oder Verdickung der Buchstaben bzw. durch farbliche Abhebung mittels Rötung oder Vergoldung. Eine Besonderheit bilden Krypto(chrono)gramme, bei denen die Zahlbuchstaben nicht gekennzeichnet sind und „verborgen“ bleiben.

 

Fußnote 3:  Psalm 64: Psalm – Kapitel 64

Bitte um Schutz vor bösen Anschlägen

Vers 10: Und alle Menschen werden sich fürchten und sagen: „Das hat Gott getan!“ und merken, dass es sein Werk sei. 11 Die Gerechten werden sich des HERRN freuen und auf ihn trauen, und alle frommen Herzen werden sich des rühmen.

Fußnote 4 :laetaebitur ist ein Schreibfehler (bzw. Lesefehler) , es muss laetabitur heißen.  Ob der Fehler in der Originalinschrift schon stand oder – was wahrscheinlicher ist – erst einem des Lateinischen unkundigen Restaurator beim Abschreiben unterlaufen ist, lässt sich nicht feststellen. Da aber eine Abschrift aus der Zeit vor 1988 die korrekte Form enthält, kann angenommen werden, dass der Fehler erst nach 1988 entstanden ist.

Zur Textkritik: Beim Abschreiben kann das „ae“ (von laetabitur) leicht im Gedächtnis bleiben und dann bei laetaeitur noch einmal eingefügt bzw. geändert werden, was als „Abschreibversehen“ bezeichnet wird, wenn der Text „abgeschrieben“ wird. Hier sollten freilich nur die Buchstaben wiederhergestellt (und nicht abgeschrieben) werden.


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